Unsere Tiere sind unsere Kollegen

Ich arbeite seit vielen Jahren mit Tieren zusammen. Dabei konnte ich viele Erfahrungen sammeln aus denen ich lernen durfte. Zu Beginn der Selbständigkeit habe ich Tiere auf meinem Hof aufgenommen, die vom Vorbesitzer aus verschiedenen Gründen abgegeben wurden. In den allermeisten Fällen waren diese Tiere nicht bereit, mit dem Menschen zusammenzuarbeiten. Häufig, wurden ihre Bedürfnisse zuvor nicht wahrgenommen. Ignoriert man die Bedürfnisse von Tieren, werden sie krank. Daher ist der erste Baustein für die tiergestützte Arbeit auf dem Bermelshof die Wahrnehmung und Einhaltung der Bedürfnisse unserer Tiere. Ein Kaninchen zum Beispiel braucht sehr viel Platz, Möglichkeiten zum buddeln, Haken schlagen, erhöhte Sitzmöglichkeiten, Freunde zum Spielen und natürliches Futter wie Gras, Kräuter und Heu. Alle Tiergehege des Bermelshofes sind artgerecht und den Bedürfnissen der Tiere entsprechend ausgestattet.
Ein weiterer wichtiger Baustein stellt die professionelle, der Tierpersönlichkeit angepasste, Ausbildung  dar.  Ein Tier, welches als Kollege in der tiergestützten Arbeit mitwirken soll, muss innerhalb einer Ausbildung auf diesen Job vorbereitet werden. Dazu gehört zum Beispiel der Vertrauensaufbau, das Verladetraining, das Gewöhnen an verschiedene Geräusche und Untergründe und das Heranführen an verschiedene Situationen sowie das Beherrschen verschiedener Kommandos.  Diesen Part übernehmen auf unserem Hof meine Kollegin Katrin Geske und ich. Das Training der Tiere erfolgt immer gewaltfrei und wird immer wiederholt.
Selbstverständlich achten wir darauf, dass jedes Tier ausreichend Ruhe- und Pausenzeiten bekommt, dass kein krankes Tier eingesetzt wird und kein Tier etwas tun muss, was ihm unangenehm ist. Um diese Signale zu kennen und entsprechendes Fachwissen über die jeweiligen Tiere zu erhalten haben wir entsprechende Workshops, Seminare und Ausbildungen besucht. Der dritte Baustein heißt daher: professionelle Ausbildung und Weiterbildung zur Fachkraft.
Unsere Arbeit ist sehr vielseitig, da wir breit gefächerte Angebote haben. Bei den tiergestützten Projekten haben wir den Anspruch, dass der Besuch auf unserem Hof zu einem Erlebnis wird, was zum Nachdenken anregt, Wissen über Tiere vermittelt, Achtsamkeit gegenüber Mensch und Tier schult und anregt aber auch erdet. Die pädagogischen (Nachhilfe) und therapeutischen Angebote werden von uns bewusst und zielgerichtet geplant und durchgeführt. Dabei werden genutzte Materialien und Medien von uns hergestellt. Der Bermelshof ist daher eindeutig kein Streichelzoo.
Die tiergestützte Arbeit ist unser Beruf, gar unsere Berufung. Wir beide bestreiten unseren Job mit viel Liebe und Leidenschaft. Jede Siuation, in der wir Mensch und Tier gewinnbringend zusammenführen dürfen ist uns eine große Freude. Finanziert wird der Bermelshof nicht etwa durch Spendengelder, da wir kein Gnadenhof sind, sondern über unser Honorar. Daher suchen wir uns gezielt Tiere aus, die mit uns zusammenarbeiten wollen und bilden sie selbst aus. Bevorzugt sind es alte oder vom aussterben bedrohte Nutztierrassen, da uns unser Beitrag zur Biodiversität sehr wichtig ist.
Wir möchten auf dem Bermelshof sowohl für unsere Besucher und Klienten, als auch für unsere Tiere einen Ort der Ruhe, der Begegnung und  der Achtsamkeit bieten. Wir begegnen uns mit Respekt und auf Augenhöhe.
Eure Katrin und Michaela